spw - Zeitschrift für sozialistische Politik und Wirtschaft 

von Thomas Westphal und Reinhold Rünker*

* Thomas Westphal, Dortmund,
Bundesvorsitzender der Jusos in der SPD 1993-1995, Mitherausgeber der spw,
 

* Reinhold Rünker, Leichlingen, Chefredakteur 2000-2008, Mitglied der spw-Redaktion seit 1995 

Wissen, was die Linke in der SPD diskutiert - spw

Die Zeitschrift für Sozialistische Politik und Wirtschaft ist ein politisches Magazin von Menschen, deren Denken in der Tradition der sozialistischen Linken steht und diese für das 21. Jahrhundert nutzbar machen will. Sie hat ihre Wurzeln in der Sozialdemokratie und setzt sich für einen parteiübergreifenden Diskurs radikalreformerischer Kräfte ein. Sie ist deshalb ein Forum für die Diskurse der Linken und veröffentlicht kontroverse Beiträge. Verbindend ist aber das Ziel einer solidarisch-ökologischen Umgestaltung der bestehenden Verhältnisse. Es ist Aufgabe der spw, solche Diskurse aufzubauen und sie insbesondere in die Sozialdemokratie hineinzutragen.

Gründung durch linke JungsozialistInnen  

Die Zeitschrift für Sozialistische Politik und Wirtschaft wurde im Oktober 1978 aus den Reihen aktiver linker JungsozialistInnen ein zweites Mal gegründet, nachdem sie ursprünglich bereits in der Weimarer Republik einige Jahre existierte und damals von Paul Levi gegründet worden war.

Das zweite Gründungsdatum lässt erahnen, dass die spw ein Kind jener Zeit ist, in der in Westdeutschland die politische Kultur vorherrschte, dass jede mehr oder weniger linkssozialistische Strömung oder Gruppe, die etwas auf sich hielt, eine Zeitschrift vorweisen musste. Tatsächlich waren es vor allem die politische Vorgänge innerhalb der SPD rund um den Parteiausschluss des damaligen Juso-Bundesvorsitzenden Klaus-Uwe Benneter, die die damaligen Gründungsmitglieder dazu bewogen, mit der spw eine politisch-analytische Orientierungsbasis anzubieten, um auch jenen, die von der restriktiven Politik der Parteiführung maßlos enttäuscht waren, eine inhaltliche Perspektive jenseits der Grabenkämpfe anzubieten.

Die spw war ihrem Selbstverständnis nach nie ein einfaches argumentatives Munitionsdepot für die innerlinken Richtungsstreiterein der 70er Jahre. Das Projekt spw war immer geleitet von dem Gedanken, die Zersplitterung der Linkskräfte zu überwinden. Dafür wurde Strategien und Politikkonzepte gemeinsam mit anderen Gruppen, Initiativen und Bewegungen innerhalb und außerhalb der SPD kontrovers und konstruktiv diskutiert. Dafür wurden eigene theoretische Beiträge und Richtungsorientierungen eingebracht, um so mitzuhelfen, die linkssozialistische gesellschaftliche Analysekraft und Politikfähigkeit auf der Höhe der Zeit zu halten. In den zurückliegenden achtzehn Jahren spw hat es drei Markierungs- und Wendepunkte gegeben, die dieses politische Selbstverständnis verdeutlichen:

Linkssozialistische Analysen und Politikfähigkeit 

  • Anfang der achtziger Jahre entstanden aus der Arbeit der spw die "Herforder Thesen zur Arbeit von Marxisten in der SPD". Die Thesen waren der erste Versuch, nach der Verabschiedung des Godesberger Programms wieder eine Basis für klassenbewusste Politikansätze in der SPD zu schaffen.
  • Ende der achtziger Jahre formulierte eine junge Generation aus den Reihen der aktiven Jusos, "53 Thesen" für eine moderne sozialistische Politikkonzeption. Der Leitgedanke dieser Arbeit war die soziale Formierung der zukünftigen Klassenlandschaft und das Mitwirken an der Entstehung eines Bündnisses von Arbeit, Wissenschaft und Kultur.
  • Im Übergang zum 21. Jahrhundert rückte die Frage der kapitalistischen Regulierung und der gesellschaftlichen Transformationen in den Vordergrund der Debatte. "Globalisierung", "New Economy" oder auch "Ich-AG" sind nur einige Stichworte, die in spw kritisch diskutiert werden. Die Herausbildung eines neuen gesellschaftlichen Reproduktionsmodells unter den Bedingungen sozialer und räumlicher Entgrenzung bei gleichzeitiger Zuspitzung des Verhältnisses von "arm" und "reich" fordert mehr denn je zu radikalrefomerischen Denkansätzen und politischen Initativen auf.

Die Zersplitterung der Linkskräfte überwinden

  • Im Oktober 1993 wurde die Herausgeberschaft der Zeitschrift spw auf eine neue politische Basis gestellt. Wichtige VertreterInnen unterschiedlicher politischer Ansätze und Traditionen, die sich in den 70er Jahren zum Teil schroff ablehnend gegenüberstanden, haben sich unter dem Dach der spw zusammengefunden. Ihr Anspruch ist es, dabei mitzuhelfen, den provozierenden Widerspruch zwischen dem Ausmaß des gesellschaftlichen Problemdrucks und dem Grad der Zersplitterung der radikalen Reformkräfte in unserem Land zu überwinden.
  • Seit Mitte der 1990er Jahre wurden zudem die Gespräche mit den radikalreformerischen Kräften aus dem Umfeld von Bündnis 90/Die Grünen und PDS im Rahmen von "crossover"-Konferenzen, öffentlichen Diskussionsreihen in Berlin und gemeinsamen Buchprojekten intensiviert.
  • Zum Jahreswechsel 2000/2001 erfolgte erneut eine Ausweitung des HerausgeberInnenkreises, mit dem eine jüngere Generation aus Politik und Wissenschaft Verantwortung für das politische Projekt spw übernimmt.
  • Der Reformierungprozess der sozialdemokratischen Linken vom "Frankfurter Kreis" zum Forum DL 21 e. V. wurden von AktivistInnen des spw-Zusammenhangs aktiv unterstützt und vorangetrieben. Dies findet seinen Ausdruck auch darin, dass seit Anfang 2001 eine achtseitige Rubrik in spw über die Diskussionen in der sozialdemokratischen Linken informiert.